Eugen ist 49 und sein Leben war anders geplant. Vor zwei Jahren begann seine Sprache zunehmend auszufallen, er konnte sich einfach nicht an ein Wort erinnern. Er war nervös deswegen und ging schließlich zum Arzt. Ein Karussell von Untersuchungen setzte sich in Gang, deren Ergebnis Eugen in die Knie zwang. Neurodegenerative Gehirnerkrankung. Schock, Verzweiflung und Panik wichen allmählich relativer Ruhe. Oder eher Akzeptanz. Es war ja noch nicht so schlimm, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte. Eugen ging auf eigenen Beinen, sprach, wenn auch holpriger, aber er war immer noch selbstständig, auch wenn alles langsamer vonstatten ging.
Mai 2024 und die Debatte mit Eugen gibt es nicht mehr. Er sagt nichts. Es geht nicht. Er liegt im Bett und ist zu hundert Prozent auf Hilfe angewiesen. Er macht keinen Schritt, nimmt nichts in die Hand. Mit seinen Augen sucht er seine Mutter Marta, der man kaum zutrauen würde, dass sie nächstes Jahr achtzig wird. In einem höheren Seniorenalter hat sie die schwere Rolle übernommen – die Pflege ihres Sohnes. „Ich bin doch eine Mutter“, sagt sie liebevoll und fügt leise hinzu, dass das private, familiäre Leben ihres Sohnes wie ein Kartenhaus zusammengefallen sei. Einfach so, er blieb allein mit seiner Diagnose...
Eugen arbeitete bei der Flußpolizei. Er rettete Leben, barg aber auch diejenigen aus dem Wasser, die darin ihr Leben beendet hatten. Freiwillig oder durch Gewalt. Er begleitete auch Staatsdelegationen auf der Donau, er war buchstäblich ein repräsentativer Typ, so daß, wenn es nötig war, mit den Medien zu sprechen, sie gerade Eugen schickten. „Er hatte eine gewaltige Kondition, war Taucher, ein redegewandter Kerl und, siehe da, jetzt“, wendet sich die Mutter zu ihrem Sohn, der etwas sagen möchte, aber es geht nicht. Eugen würde sich gerne umdrehen, vom Bett aufstehen..., nichts geht... „Er hat gerade seine heutigen Therapien beendet, ist also ziemlich erschöpft, aber vor allem ist er sehr nervös. Er versteht selbst nicht, was mit ihm geschieht. Und auch wir verstehen diese riesige Verschlechterung nicht. Denn im Januar ging er noch irgendwie selbstständig, aß selbst, ich war mit ihm auf einem Kuraufenthalt in einem Heilbad in Piešťany. Er brauchte zwar schon meine Begleitung, aber es war bei weitem nicht der Zustand, den wir heute haben“, stellt die tapfere Mutter fest.
Im Januar bekam er jedoch myoklonische Anfälle, der Krankenwagen brachte ihn sofort ins Krankenhaus, wo er eingeliefert wurde. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt, ein PEG wurde gelegt und „als er aufwachte, war Eugen völlig gereizt. Er versteht nichts. Im Krankenhaus wurde er sogar ans Bett gefesselt, ich habe eine Ausnahmegenehmigung erwirkt, damit sie das nicht tun“, sagt seine Mutter Marta, die den Aufenthalt in Adeli über alle Maßen lobt. Sie drückte es treffend und von Herzen aus: „Wir kamen aus der Hölle in den Himmel. Wortwörtlich. Der Umgang des Personals, die Pflege, die lieben Menschen. Und obwohl Eugen ein schwieriger Fall ist, habe ich hier keinerlei Ignoranz oder Unwilligkeit erlebt. Mein Sohn kam liegend, aber sie versuchen schon, ihn aufrecht hinzusetzen – und das ist mein Traum, dass er zumindest eine Weile im Rollstuhl sitzen kann. Wir wollen und müssen nach Adeli zurückkehren, deshalb bitten wir um und danken für jede Hilfe.“